Orpheus 11+12 2004
In ihrer Heimat Georgien ist sie bereits eine bekannte Persönlichkeit- Tamar Iveri.
Eine weitere Sängerin die von Georgien aus zur internationalen Karriere angetreten ist.
Sie ist ebenso stolz Georgierin zu sein, wie ihre Heimat stolz auf sie ist was eine jüngst erschienene Biographie in georgischer Sprache beweist.
Dass es sie zur Bühne verschlagen hat, ist kein Zufall. Durch den Vater, einen in ihrer Heimat sehr bekannten Bariton und ihre Mutter geprägt, war sie schon als Kind Teil in Carmens Kinderchor und so war es nur logisch, dass sie nach der Schule das Konservatorium von Tiflis besuchte.
Am Konservatorium von Tiflis gibt es eine sehr starke und gute Ausbildung die von sehr strengen Prüfungen geprägt ist. Was uns dann international sehr hilft ist, dass unsere Vokalausbildung sehr auf der italienischen Linie liegt, weil auch unsere Professoren größtenteils in Italien gelernt haben. Und auch wenn sie heute schon sehr alt sind oder nicht mehr unterrichten, haben sie ihr Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Auch von Natur aus haben wir Stimmen die dem italienischen oder spanischen Charakter ähnlicher sind als dem Russischen. Deshalb gibt es vielleicht viele Georgier die gerade im italienischen Repertoire Fuß gefasst haben.
Mit einer soliden Ausbildung als Grundlage ist es Tamar Iveri gelungen ihre Studien außerhalb Georgiens zu perfektionieren und nach und nach international zu reüssieren. Ihr wichtigster Berater in künstlerischer und menschlicher Hinsicht war dabei immer der eigene, viel zu früh verstorbene Vater.
Ich hatte großes Glück in meinen Leben. Zuerst war da mein Vater Avtandil Javakishvili ein in Georgien bekannter Bariton. Er hat nie in Europa gesungen denn da gab es noch den eisernen Vorhang und für Georgier war die Situation besonders schwierig. Es gab da eine Kommission die zu entscheiden hatte wer wohin reisen durfte. Und mein Vater wurde wie so viele andere Sänger auch, bei Auslandsreisen immer übergangen, durfte nur in der Sowjetunion auftreten. Mehr war nicht möglich. Er hat mich menschlich wie künstlerisch geprägt. Alles zu den Themen Bühnenpräsenz und Phrasierung habe ich von ihm gelernt. Er hat mir wirklich wahnsinnig gute Ratschläge gegeben. Mein Vater war überhaupt eine sehr gebildete Person, hatte eine sehr berühmte Phonothek. Er hat sein ganzes Leben lang Schallplatten gesammelt und war für seine Sammlung berühmt.
Bei Tamar Iveri war die Situation Gott sein Dank eine andere. Sie bekam ein Stipendium für besonders talentierte junge Künstler das ihr erlaubte an Gesangswettbewerben in Europa teilzunehmen. 1998 im gleichen Jahr ihres Bühnendebüts als Desdemona, erhielt sie in Busseto den zweiten Preis beim „Voci Verdiane“. Ein Jahr darauf folgte der erste Preis beim internationalen Mozart Wettbewerb in Salzburg. Der sollte für ihre internationale Karriere wegweisend sein, denn in der Jury saß Ileana Cortrubas mit der sie bis heute freundschaftlich verbunden ist. Sie wurde zur großen Mentorin und Ratgeberin. Zwei Jahre danach wurde Tamar Iveri an die Grazer Oper engagiert. Das war eine Zeit die sie heute als „Glücksfall für beide Seiten“ bezeichnet.
Dieses Engagement war für mich der erste Schritt zur internationalen Karriere, denn es gab mir die Möglichkeit meinen Wohnsitz in Österreich zu haben und das bedeutet wiederum, dass ich reisen konnte ohne vorher stunden oder tagelang für mein Visum angestellt gewesen zu sein, mich von Warteschlange zu Warteschlange vorarbeiten zu müssen.
Aber auch Graz war sich des „Glücksfalls Iveri“ bewusst und hegte und pflegte die Sängerin nach Leibes Kräften, gab ihr alle Freiheiten Gastspiele zu akzeptieren die sie wollte, bot ihr eine Wunschpartie nach der anderen an wie Adriana Lecouvreur, Desdemona (Otello), Mimi (La Boheme), Tatjana (Eugen Onegin), Elisabetta (Don Carlo).
Diese Zeit war ein Glücksfall für beide Seiten: Ich konnte von Graz aus meine internationale Karriere starten, dafür kamen auch Fans und Kritiker aus aller Welt zu meinen Premieren nach Graz. Es war eine schöne und für beide Seiten sehr fruchtbare Zeit und auch wenn ich heute an großen und berühmten Häusern wie der Scala, Covent Garden oder der Wiener Staatsoper singe, schaue ich gerne auf die Zeit in Graz zurück und bin stolz darauf, denn meiner Meinung nach gibt es keine kleinen Theater, sondern nur kleine Sänger.
Graz war das Sprungbrett für Covent Garden, die Mailänder Scala, die Staatsoper Wien, die Salzburger Festspiele oder die Deutsche Staatsoper Berlin.
Auf dem Programm der jungen georgischen Sängerin stehen die jugendlich dramatischen Partien wie Elisabetta (Don Carlos), Donna Anna (Don Giovanni), Mimi (La Boheme), Amelia (Simon Boccanegra) oder Desdemona (Otello)
In der Wahl ihres Repertoires ist sie sehr strikt. Tamar Iveri will konzentriert für eine Produktion arbeiten ohne dazwischen in der Opernweltgeschichte herumzujetten.
Ich will meiner Stimme Zeit geben, sich zwischen Puccini, Verdi oder Mozart umzustellen. Eine Stimme muss gepflegt werden und das teuflische ist, dass sich ein Fehler, den man heute macht, nicht morgen sondern nach 3 bis 4 Monaten zeigt, wenn man schon gar nicht mehr daran denkt. Deshalb gebe ich meiner Stimme Zeit und habe für mich das jugendlich dramatische Repertoire ausgewählt und zu Opern wie Aida, Tosca, I Lombardi oder Nabucco ganz dezidiert NEIN gesagt. Sie sind zur Zeit noch zu dramatisch für mich.
Ihr Rezept zum Erfolg scheint so einfach: richtige Repertoire, wenig Stress, nicht rauchen und vor den Vorstellungen einen Nachmittagsschlaf. Baldrian gibt es nur vor Premieren und Debüts. Und in den Vorstellungen viel Fanatsie beim singen und spielen.
Das nächste wird an der New Yorker MET als Donna Anna sein.
SIMs Kultur Dezember 2003
www.zinnober-abc.com

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